Wirtschafts- und Wohlstandsniveau
Die österreichische Wirtschaft verzeichnete nach zwei Jahren rückläufiger Wirtschaftsleistung erstmals wieder ein schwaches Wachstum. Erneut sind aber die Industrieregionen mit einem schwierigeren Konjunkturumfeld konfrontiert.
Die regionale Konjunktur erholte sich in Niederösterreich nach dem schwierigen Vorjahr und verzeichnete ein Wachstum etwas über dem Bundesschnitt.
Überdurchschnittliche Wachstumsimpulse kamen nach einem deutlichen Rückgang im Vorjahr aus der Industrie, insbesondere aus der Nahrungsmittel-, Holz-, Papier- und Metallindustrie. Auch die Bauwirtschaft trug zum niederösterreichischen Wirtschaftswachstum bei. Hingegen blieb das konjunkturelle Umfeld für den Maschinenbau sowie der KFZ-Industrie herausfordernd. Die Warenexporte sanken. Der tertiäre Sektor zeigte ein ähnliches Bild wie im Vorjahr, allerdings konnte der Handel die Wertschöpfung deutlich ins Plus drehen. Das Wachstum bei den Finanzdienstleistern ließ nach, stabile Impulse kamen weiterhin aus dem öffentlichen Bereich, dem Immobiliensektor und der Informations- und Kommunikationstechnologie. Rückgänge verzeichneten die wirtschaftlichen Dienstleister sowie der Bereich der Beherbergung und Gastronomie, die Nächtigungen blieben aber auf dem Niveau des Vorjahres.
Die Zahl der arbeitslosen Personen ist gegenüber dem Vorjahr mit +4,2% gestiegen (Österreich: +6,6%). Die Arbeitslosenquote lag mit 6,6% unter dem Österreichschnitt von 7,4%. Die Beschäftigtenzahl stieg leicht um 0,2% (Österreich: +0,1%).
Das Bruttoregionalprodukt (BRP) misst die wirtschaftliche Leistung einer Region. Das Bruttoregionalprodukt je Einwohner/in (BRP/EW) ermöglicht einen Vergleich der Wirtschaftskraft der Regionen.
Für Niederösterreich wurde im Jahr 2023 ein BRP/EW von rund 83% des österreichischen Werts ausgewiesen (Rang 8 unter den österreichischen Bundesländern).
Zwischen 2021 und 2023 wurde ein Anstieg des BRP von 17,3% verzeichnet (Österreich: +17,6%).
Das BRP bezieht sich auf den Arbeitsort, während die dazu in Relation gesetzten Einwohner/innenzahlen auf den Wohnort bezogen sind, d.h. dass regionsüberschreitende Pendler/innenströme unberücksichtigt bleiben. Ergänzend gibt der Indikator „BRP pro Erwerbstätiger/Erwerbstätigem” (BRP/Job) wieder, wie viel an den Arbeitsstätten je Region von den jeweiligen Arbeitskräften erwirtschaftet wird (Produktivität).
Für Niederösterreich wurde im Jahr 2023 eine Produktivität von rund 95% des österreichischen Werts ausgewiesen (Rang 7 unter den österreichischen Bundesländern).
Die regionale Wirtschaftsstruktur Niederösterreichs wird von einem überdurchschnittlichen Anteil des industriell-gewerblichen Sektors geprägt. Die Regionen Niederösterreich-Süd, die Eisenwurzen, das Waldviertel sowie Teile des südlichen und nördlichen Wiener Umlandes zählen zu den wichtigsten Industriestandorten Österreichs.
Die Bruttowertschöpfung (BWS) ergibt sich aus dem Gesamtwert der im Produktionsprozess erzeugten Waren und Dienstleistungen, vermindert um die Vorleistungen. Die BWS nach Wirtschaftssektoren gibt Auskunft darüber, welchen Beitrag die einzelnen Wirtschaftssektoren zur Gesamtwertschöpfung leisten.
Auf den primären Sektor (Land- und Forstwirtschaft, Fischerei) entfielen 2023 rund 3%, auf den sekundären Sektor (Gewinnung von Rohstoffen, Herstellung von Waren, Energie und Wasser, Bau) rund 31% und auf den tertiären Sektor (Erbringung von Dienstleistungen) rund 66% der BWS (Österreich: 1% primärer Sektor, 29% sekundärer Sektor, 70% tertiärer Sektor).*
Im Jahr 2023 waren rund 5% der Erwerbstätigen (regionale Zuordnung nach dem Arbeitsort) im primären Sektor beschäftigt, rund 23% im sekundären Sektor und von rund 71% wurde der Arbeitsplatz dem tertiären Sektor zugerechnet (Österreich: 4% primärer Sektor, 22% sekundärer Sektor, 74% tertiärer Sektor).*
Die oben beschriebenen (auf den Arbeitsort bezogenen) Indikatoren zum regionalen Wirtschaftsniveau und zur regionalen Wirtschaftsstruktur erlauben Rückschlüsse hinsichtlich der Ausstattung einer Region mit Unternehmen und Arbeitsplätzen sowie der wirtschaftlichen Attraktivität einer Region.
Zur Analyse des Wohlstandsniveaus der in der Region ansässigen Wohnbevölkerung wurde nun für die Arbeitsmarktprofile eine spezielle Berechnungsmethode angewandt. Die Verknüpfung verschiedener „Wohlstandsindikatoren”** und die daraus abgeleitete synthetische Gesamt-Rangreihung ermöglichen es, das Wohlstandsniveau der österreichischen NUTS 3-Regionen*** nach dem Wohnort-Prinzip zu erfassen. Die dabei verwendeten Indikatoren spiegeln sowohl die Einkommens- als auch die demografische Struktur der Regionen wider und geben somit ergänzende Informationen zu jenen Indikatoren, die sich auf den Arbeitsort beziehen.
In Niederösterreich erreichen die Regionen Mostviertel-Eisenwurzen und die nördliche Wiener Umlandregion Top 4 Plätze. Alle anderen Regionen bleiben dahinter zurück (siehe Karte 1).
